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Montag, 24. März 2008

Read and see Jay Giedd how he speaks about the neuroscience of the teenbrain

Interview with Jay Giedd
What has surprised you about looking at the adolescent brain?
The most surprising thing has been how much the teen brain is changing. By age six, the brain is already 95 percent of its adult size. But the gray matter, or thinking part of the brain, continues to thicken throughout childhood as the brain cells get extra connections, much like a tree growing extra branches, twigs and roots. In the frontal part of the brain, the part of the brain involved in judgment, organization, planning, strategizing -- those very skills that teens get better and better at -- this process of thickening of the gray matter peaks at about age 11 in girls and age 12 in boys, roughly about the same time as puberty.
Read more on the website......

or watch the film:



Read more about Jay Giedd, his findings and the discussion about the development of teenbrains:

A critical article about the neuroscientific way of description -
Are Teens Just Wired That Way?
Researchers Theorize Brain Changes Are Linked to Behavior
Shankar Vedantam Washington Post Staff Writer , June 3, 2001; Page A1
Neuroscientist Jay Giedd was studying the brains of healthy teenagers when he noticed something odd: The brains appeared to change in unexpected ways as the youths matured through adolescence. …..

A site about the teenbrain
http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/teenbrain/

Discussion site about the teenbrain – different scientists and their opinions...
http://www.pbs.org/wgbh/pages/frontline/shows/teenbrain/work/


Related links on this blog in german speech:
Pubertät (1): Was hat der Neurotransmitter "Dopamin" mit der Pubertät zu tun?
Pubertät (2) "Hirnentwicklung in der Pubertät"

Sonntag, 17. Februar 2008

Pubertät (2) "Hirnentwicklung in der Pubertät"

Sarah-Jayne Blakemore ist eine der wenigen Forscherinnen, welche sich mit der geistigen Entwicklung und ihren Veränderungen im Gehirn, während der Pubertät befasst. Im Buch "Wie wir lernen - Was die Hirnforschung darüber weiß" werden dieser Altersphase 16 Seiten ! gewidmet. Hauptsächlich auf die dort vorgetragenen neuen Erkenntnisse stützen sich auch meine Ausführungen:

Die Pubertät scheint sowohl für die Betroffenen, als auch deren Umgebung die schwierigste aller "kindlichen" Altersphasen zu sein. Sie ist gekennzeichnet durch folgende Merkmale
  • Lösungstendenz vom Elternhaus und der Eltern - und Erwachsenenmeinungen
  • Neigung zu "überzogenen" Emotionen und emotionalen Reaktionen
  • Zeiten der Selbstverunsicherung und Selbstfindung
  • starke hormonelle Umstellungen und Umbauaktivitäten im Gehirn
  • zunehmende Verstelbständigung verbunden mit dem Druck zur beruflichen Orientierung
Wie kommt es zu solch relativ drastisch erlebten Veränderungen während der Pubertät?

Umbauaktivitäten im Gehirn
Hier konnte die so genannte kognitve*(1)Neurowissenschaft ein wenig Licht ins Dunkel bringen.
Im Zentrum steht dabei die Weiterentwicklung des Frontalhirns* (2), die Verringerung der grauen Masse*(3) zugunsten der weißen Masse (4) des Gehirns während der pubertären Entwicklungsphase.

Die Weiterentwicklung des Frontalhirns
Die Weiterentwicklung des Frontalhirns endet dabei nicht - wie früher angenommen - mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter, sondern entwickelt sich auch im Erwachsenenalter durch Lernen und Erfahrung ständig weiter.
Das Frontalhirn ist diejenige Region im Gehirn, welche sich am spätesten entwickelt. Dem Frontalhirn werden dabei verschiedene wichtige Funktionen zugeschrieben:
  • Fähigkeit unpassendes Verhalten zu unterdrücken
  • Planungsfunktion
  • Entscheidungen treffen
  • Informationen im Kopf behalten
  • Zwei Dinge gleichzeitig tun
Man weiß aus der Untersuchung von Gehirnen verstorbener Kinder und Jugendlicher, dass das Frontalhirn bei Kindern anders beschaffen ist, als das Frontalhirn bei Jugendlichen.

Dabei kommt nun die Umwandlung von der grauen zur weißen Masse *(2) ins Spiel. Die weiße Masse ist leistungsfähiger als die graue Masse:
Die weiße Masse enthält schnellere und damit funktionsfähigere Nervenverbindungen. Kennzeichen der weißen Masse ist die Myelinisierung*(4) der Nervenbahnen, weswegen die vormals graue Hirnmasse unter dem Mikroskop weißlich aussieht. Die Myelinisierung bewirkt eine 50fache Beschleunigung der Nervenleitung!

Aus diesem Grunde gehen Wissenschaftler davon aus, dass der kognitive Leistungsabfall zu Beginn der Pubertät auf die Umwandlungsprozesse der grauen zur weißen Masse zurückzuführen sei. (da in der grauen Masse "gespeicherte" Funktionen vermutlich verloren gehen). [ Studie von R. McGivern & al., San Diego State University] Hinzu kommen dann noch die Auswirkungen der hormonellen Umstellung (Aggressionszunahme bei Jungen, emotionale Instabilität bei Mädchen)
"Die Forscher brachten diesen pubertären Leistungsabfall mit der raschen Vermehrung der Synapsen in Verbindung, zu dem es zu Beginn der Pubertät kommt. [..] die Entwicklung des Frontalkortexes nicht linear verläuft, sondern sich während der Pubertät zunächst verlangsamt, dann aber die ganze Adoleszenz hindurch sehr rasch fortschreitet. Diese nicht lineare Entwicklung könnte auf eine gleichzeitig stattfindende Reorganisation des Gehirns hindeuten, bei der es zunächst zu einer vermehrten Synapsenbildung in den Frontallappen und danach zum "Ausjäten" von ungenutzten bzw. zur Festigung von genutzten Synapsen kommt." (Zitat aus Blakemore/Frith: Wie wir lernen, S. 171/172)


Das - so muss man zugeben - sind doch sehr schöne und plausible Erklärungen. Jedoch gerade bezüglich des pubertären Leistungsabfalles, müssen diese noch mit höchster Vorsicht betrachtet werden:

"Man darf nicht vergessen, dass dieser pubertäre Leistungsabfall bis jetzt nur bei einer einzigen Studie gefunden wurde"(ebd. S. 172)
FAZIT:
Was uns bleibt, sind die organisch nachgewiesenen Veränderungen im Frontalhirn (graue Masse => weiße Masse), das Wissen, dass der größere Anteil an weißer Masse eine größere geistige Leistungsfähigkeit bewirkt, da die Nerven schneller leiten.

Ebenso bleibt die Gewissheit, dass Hormone das Verhalten beeinflussen und die hormonelle Situation gerade in der Pubertät starken Schwankungen unterworfen ist.


Weiterführende Literaturempfehlungen

http://neuropaedagogik.blogspot.com/2008/01/wie-wir-lernen-was-die-hirnforschung.html
Seite 160 ff.: Das adoleszente Gehirn- Was verändert sich nach der Pubertät usw.
Sarah-Jayne Blakemore, Uta Frith

Wie wir lernen
Was die Hirnforschung darüber weiß

ISBN: 978-3-421-05922-2

€ 24,90 [D] / SFr 43,90
DVA Sachbuch, Februar 2006


Seite 41 ff.: Das Gehirn: Aufbau und Funktionen
Biopsychologie. Ein Lehrbuch
Thomas Köhler Gebundene Ausgabe - Kohlhammer (Dez 2001) - 430 Seiten
ISBN 317016984X - ISBN-13 9783170169845 (vergriffen, aber bei versch. Anbietern erhältlich - siehe Preisvergleich bei http://bookbutler.de)


Preiswertestes Angebot zur Zeit bei Jokers für 9.95 € + Versand erhältlich: hier


http://neurowissenschaften.blogspot.com/2008/01/buchempfehlung-lehrbuch-zur.html

Seite 453 ff.: Ausführliche Darstellung zu den Entwicklungs- und Risikofaktoren im Jugendalter:
Petermann, Niebank, Scheithauer

Entwicklungswissenschaft
Entwicklungspsychologie - Genetik - Neuropsychologie
2004, XVI, 625 S. 182 Abb., 45 Tab., Geb.

ISBN: 978-3-540-44299-8 - 14,95 €


Linkempfehlungen:
About Sarah-Jane Blakemore: group leader cognitive neuroscience
http://www.icn.ucl.ac.uk/dev_group/people.htm
Study results from S.-J. Blakemore:
Ground-breaking British research has revealed that teenagers' brains change during adolescence much more than had previously been though
http://www.guardian.co.uk/science/story/0,3605,1640240,00.html
It’s not just the hormones, says Vivienne Parry. During puberty teenagers’ brains are undergoing a radical readjustment
http://www.dimaggio.org/Eye-Openers/young_people.htm

Fussnoten:
___________________________________________________________________________________________

*(1)http://www.sign-lang.uni-hamburg.de/projekte/slex/seitendvd/KonzeptG/L52/L5255.htm
"Der Begriff kognitiv stammt aus der Psychologie und bezeichnet solche Funktionen des Menschen, die mit Wahrnehmung, Lernen, Erinnern und Denken, also der menschlichen Erkenntnis- und Informationsverarbeitung in Zusammenhang stehen. Neben den kognitiven Funktionen sind die emotionalen Gesichtspunkte und der Bereich der Motive für die menschliche Erkenntnisverarbeitung von Bedeutung."
*(2) Ausführliche Erläuterungen zu Frontalhirnfunktionen: hier
*(3) Kurze Erläuterungen zur grauen und weißen Substanz: hier
*(4) Myelinisierung: hier

Um zukünftige Beiträge noch besser auf Ihre/Deine Bedürfnisse abzustimmen, mache ich diese Umfrage. Je mehr Teilnehmer abstimmen, um so eher habe ich eine Orientierung.
Und wer noch mehr Stellung nehmen möchte, den lade ich ganz herzlich zur Diskussion "Was sind "gute" Wissenschaftsblogs ein: http://wissenschaftsblogs.blogspot.com



Sonntag, 10. Februar 2008

Pubertät (1): Was hat der Neurotransmitter "Dopamin" mit der Pubertät zu tun?

Die "Pubertät" und damit verbundene Erscheinungen (Gefühlsschwankungen, Risikofreude, Suchtgefahren etc.) beschäftigt Eltern und Pädagogen seit Generationen. Um so erstaunlicher ist, dass wenig konkrete Forschung, dafür um so mehr Theorien und Hypothesen zur Adoleszenz vorliegen:

Die "Dopamin-Hypothese" als monokausale Erklärung

Manche Erklärungsversuche beziehen sich lediglich auf einen! Faktor (z.B. die sog. Dopamin-Hypothese: hier) und behaupten dass Depressionen, Risikofreude etc. auf die in dieser Zeit angeblich zurückgehende "Dopaminproduktion" zurückzuführen sei. Solche Erklärungen nennt man monokausal (wörtl. übersetzt eine Ursache).

Zur Erklärung: Dopamin ist ein Neurotransmitter (= Überträgerstoff) unter vielen Neurotransmittern und zählt zu den Monoaminen (Eiweiße). Dopamin wird eine anregende Wirkung zugewiesen und wird durch seinen angeblichen Mangel während der Pubertät u.a. für das sog. "sensation-seeking" (= Suche nach starken Empfindungen*) verantwortlich gemacht. Da man aber noch weitere (unbekannte) Neurotransmitter vermutet, welche eine ähnliche Wirkung entfalten (könnten) und sich die Art und Menge des Dopamins bei Pubertierenden schwer messen lässt, tappt man hier eigentlich noch im Dunkeln. Allerdings liefert das Dopamin eine leicht verständliche Erklärung und das dürfte der Grund sein, warum die Dopamin-Hypothese so gerne herangezogen wird. Unter Entwicklungspsychologen und Neurowissenschaftlern wird diese Hypothese kontrovers diskutiert.


Solche monokausalen Erklärungsversuche erweisen sich dementsprechend bei näherem Hinsehen für unzulänglich, wenn es um die Erklärung komplexer Erscheinungen geht:

In der Pubertät verändert sich das Selbstkonzept. Jugendliche "suchen" nach ihrer "Identität". Sie stellen überkommene Werte und Normen in Frage, handeln risikofreudig und emotional. Im Jugendalter geschehen die meisten, oft unvermeidbaren Suizide (gemäß der unten genannten Jugendstudien). Die Gefühlsschwankungen sind - je nach Veranlagung - drastisch. Migrantenkinder haben zudem das Problem einer uneindeutigen ethnischen Identität. Kurz gesagt, es ist eine Zeit eines starken Umbruchs.

Warum gibt es dennoch so wenig Forschung zur Entwicklung der sozialen und kognitiven Kompetenzen (= Entwicklung der geistigen Fähigkeiten*) im Jugendalter? Darüber kann man nur staunen. Ebenso wie man sich wundern kann, dass die eher unkomplizierten Entwicklungszeiten (Vorschulalter + Grundschulalter) hingegen stark im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen und etliche bildungspolitische Anstrengungen unternommen werden, um diese Altersklassen zu "versorgen". Währenddessen werden Eltern und Pädagogen mit Pubertätsproblemen allein gelassen (die PISA-Studie bezieht sich v.a. auf die Zeit während der Pubertät, während in der Grundschulstudie (IGLU) Deutschland im Ländervergleich gut abschneidet!)

Ich weiß, alles zusammen genommen, sind die psychologischen und neurowissenschaftlichen Erkenntnisse zum Jugendalter sehr "dünn". Unten habe ich zur Vertiefung einige informative Internetadressen und Literatur zusammengetragen:

Internet:
  • Überblick: Entwicklungstheorien zum Jugendalter: hier
  • Entwicklungsfragen und –risiken im Jugendalter: hier
  • Stichwortartiger Überblick zur Züricher Jugendstudie: hier
  • Züricher Jugendforschung: Entwicklungsrisiken im Jugendalter: hier
Literatur:

Flammer, A., & Alsaker, F.D. (2002). Entwicklungspsychologie der Adoleszenz. Bern: Huber.
Rita Kohnstamm (1999) Praktische Psychologie des Jugendalters. Bern: Huber

Rita Kohnstamm erläutert die Entwicklungsprobleme im Jugendalter praxisnah und leicht verständlich . Das Buch ist daher für "Praktiker" sehr gut geeignet. Weitere Informationen zum Buch und zum Jugendalter: hier

Im nächsten Post berichte ich über "weitere"neurowissenschaftliche Erkenntnisse zum "adoleszenten Gehirn".

Um zukünftige Beiträge noch besser auf Ihre/Deine Bedürfnisse abzustimmen, mache ich diese Umfrage. Je mehr Teilnehmer abstimmen, um so eher habe ich eine Orientierung.
Und wer noch mehr Stellung nehmen möchte, den lade ich ganz herzlich zur Diskussion "Was sind "gute" Wissenschaftsblogs ein: http://wissenschaftsblogs.blogspot.com