Bildquelle Pixelio: (c) Lea M.Und so wird sich gefetzt, wo es geht, egal aus welchem Wissenschaftsbereich die Gegner und Befürworter kommen, jede Seite behauptet Recht zu haben. Imponierprosa da, Verbalakrobatik hier.....Eine unendliche Geschichte einer pseudowissenschaftlichen Diskussion, welche durch allerlei Blogs und andere Medien geistert und im wissenschaftlichen Gewande Verbalgefechte ohne Ende vom Zaume bricht.
Hintergrund:
Einige Vertreter der Neurowissenschaften glauben, anhand ihrer Versuche "bewiesen" zu haben, dass der Mensch keinen freien Willen habe.....Diese haben zu keiner Zeit festgelegt, was sie eigentlich damit meinen. Das heißt, keiner von ihnen hat seine Vorstellung, welche er vom freien bzw. nicht freien Willen hat, definiert. Zu Recht kritisieren "echte" Philosophen daher auch den abstrakten Wortgebrauch. Neurowissenschaftler haben auch noch nie einen Versuch gemacht, welcher beweisen sollte, dass der freie Wille nicht existiere........
All jene, die dort diskutieren, sprechen von einem "Freien Willen" und wissen doch nicht, was denn nun genau ein "Freier Wille" sein soll. Das hält sie natürlich nicht davon ab, über das was sie eigentlich nicht kennen, dennoch zu diskutieren. Die Kommentare in den Blogs reihen sich in diese oberflächliche, pseudowissenschaftliche Diskussion ein. Gegensätzliche Standpunkte werden ausgetauscht, ohne den wissenschaftlichen Kern zu berühren.....
Es wird so getan, als wüsste man Bescheid, wie genau der Freie Wille, gemessen worden ist. Weder über den Freien Willen, noch über die Messung selbst wird diskutiert. Es scheint so, als habe man regelrechten Spass daran, Scheingefechte und verbale Kriegsspiele mit einem angeblichen Für und Wider einer pseudowissenschaftlichen Nutzung des Begriffes "Freier Wille" durchzuführen. Auch wird sich wechselseitig "unwissenschaftliche" Polemik vorgeworfen, obwohl sich keine der Parteien um eine Operationalisierung und Definition des diskutierten Sachverhaltes kümmert.
Die Diskutanten verhalten sich so, als hätten sie noch nie etwas von empirischer Forschung und Wissenschaftstheorie gehört.
Ich frage mich, warum keiner danach fragt, wie man in diesem Falle den Freien Willen definieren wolle. Ich frage mich auch, warum keiner jene neurowissenschaftlichen Untersuchungen genauer betrachtet, welche nach der Interpretation von wenigen Neurowissenschaftlern, den freien (undefinierten) Willen verneinen soll.
Eine Diskussion um ihrer selbst und nicht um der Sache willen.......
Solange der Freie Wille undefiniert ist und Versuche dazu noch gar nicht entworfen wurden, ist es müßig überhaupt darüber zu diskutieren:
Das heißt, vorab müsste definiert werden:
1. Was versteht man unter einem freien Willen?
2. Wie kann man die Annahme eines freien Willens belegen/widerlegen?
3. Lässt sich der freie Wille überhaupt in einer Laborsituation testen (-> Definition)
4. Was verstehen die Neurowissenschaftler Roth und Singer unter freiem Willen.ad 1. Welche Definition des freien Willens (in der Philosophie gibt es ja einige unterschiedliche Definitionen) verwenden die Forscher für ihre Interpretation?
ad 2. Wie müsste ein Versuch aussehen, welcher den freien Willen "misst"? Bislang wurden Versuche unternommen, welche ursprünglich nicht zum Ziel hatten überhaupt die Existenz/Nichtexistenz eines freien Willens überprüfen zu wollen.
ad 3. Vorausgesetzt, man hätte sich auf eine Definition des freien Willens geeinigt: reichen die, bislang nur im Labor möglichen, neurowissenschaftlichen Untersuchungsmethoden dafür aus, einen definierten freien Willen zu messen?
ad 4. Bislang habe ich von den beiden noch an keiner Stelle eine Definition darüber gefunden!Das Reduktionsproblem wird m.E. auf der falschen Ebene analysiert....
Nachtrag zu Wolf Singer's Position: (Video 53 min. lang): Gespräch: Interview mit Wolf Singer
Das Interview zeigt, dass Wolf Singer die innere Konsistenz seiner Position nicht aufrecht erhalten kann. Achten Sie darauf, dass er reine gedankliche Konstrukte beschreibt, ohne explizit darauf einzugehen, aus welcher Art der Hirnforschung er seine Schlüsse zieht. (wir wissen, wir konnten beweisen...etc.)
Ebenfalls auffällig sind die vielen Konjunktive, welche leider oft wieder als "Fakten" rezipiert werden, was er zu Recht auch wieder beklagt, wenn er von der medialen Rezeption seiner Interpretationen spricht.
Das Video zeigt, dass Singer's Vorstellungen vom "Ich" durch seine individuelle, persönliche Anschauung und durch seine Sicht und Interpretation der neurowissenschaftlichen Forschung geprägt ist. Es geht nicht mehr um Empirie oder klare Analyse, nicht einmal mehr um die Interpretation einzelner Forschungsversuche, sondern um die Gestaltung eines ganz persönlichen Weltbildes. Interessant ist, dass dieses Interview auch in latentem Widerspruch zu seinem Interview - gegeben im Rahmen der Komplexitätsforschung - steht: Interview mit dem Hirnforscher Wolf Singer
Da ich mir nicht sicher bin, ob die Aussagen von Wolf Singer - insbesondere zur Frage der Komplexität - ohne die Hintergründe der Komplexitätsforschung verstanden werden können, rate ich dazu, die ausführlichen Hintergrundinformationen und Videos zur letzten Scobel-Sendung auf der 3Sat-Webseite vorab anzusehen: Komplexe Welt
Ein neues Denken ist angesagt. "Wetterprognosen, Börsenkurse, Teilchenphysik, Strukturen des Gehirns: Jetzt suchen verschie- dene Wissenschaftsdisziplinen gemeinsam nach Antworten..."

Interessanter ist natürlichdie Frage, was denn das ist und wie das zustande kommt, was wir mit "freiem Willen" meinen. Das Wichtigste dazu hab ich in den beiden ersten oben verlinkten Artikeln skizziert. Um die Zusammenhänge einigermaßen eingängig zu beschreiben, müsste ich mehr ausholen als hier Platz und sinnvoll ist. Eine imponierend nuancierte und gut lesbare Darstellung davon habe ich übrigens in dem Taschenbuch des Hamburger Philosophen Ulrich Steinvorth "Was ist Vernunft? Eine philosophische Einführung" gefunden (Dritter Teil "Vernunft und Natur" Kap. 8, Kap. 9 sogar zu "Willensschwäche!) Das Büchl möchte ich hier nachdrücklich empfehlen. -
Kleinkinder reagieren erst auf äußere oder innere Reize:
Der entscheidende Punkt ist, womit ich das auch mit ansprechen kann, was Sie im zweiten Abschnitt meinem Eindruck nach meinen: von Natur aus reagieren wir wie alle übrigen Lebewesen entweder auf äußere oder innere "Reize" (Anregungen und Impulse)! Das tun wir auch jahrelang, normalerweise in unseren ersten drei bis vier Lebensjahren.
Je nach Geschwindigkeit der persönlichen "Entwicklung" (es gibt ja die "Aufgeweckten" und die etwas "Langsamen"; Hochbegabte sind am schnellsten... ) tritt im vierten, deutlich merkbar aber spätestens im fünften Lebensjahr, also um den und nach dem 4. Geburtstag etwas ein, was Kindern ("normalerweise"! wie gesagt können die individuellen Unterschiede ganz erheblich sein) bis dahin noch nicht möglich war: dass sie Erlebtes erzählen, sich also erinnern und ansatzweise auch "etwas" vorstellen können. (Erinnern, das wir normalerweise meinen, ist psychologisch gesehen ein Vorstellen! "Lernen" in dem Sinn, dass "sich einprägt", und zwar von selbst, was wir erleben, beginnt wesentlich früher - wie wir aus der Pränatalpsychologie wissen schon im Mutterleib!)
und sie fragen sich, wie die Dinge funktionieren: warum dies, warum das....
Kinder beginnen in dieser Zeit auch bewusst zu träumen, d.h. sie können plötzlich von Träumen erzählen. Außerdem fangen sie an zu kombinieren: manche in Form der berühmt-'berüchtigten' Endlos-Warum-Fragen. (In dem Entwicklungsstadium sind sie auch "kinderartenreif".)
Ab diesem Alter ist nun folgendes möglich: man kann Kinder anregen oder auffordern, auch von ihnen "fordern" (und dabei überfordern!), "erst zu denken, dann zu handeln". Wer denkt, schafft sich in der Vorstellung zusätzlich zu dem, was momentan "ist", etwas weiteres, was nicht da ist, sondern "nur" vorgestellt wird - wenn, ja wenn man es denn tut...
Gedankenfreiheit - wir schaffen uns gedanklich etwas Neues:
Wir reden hier gern von Gedankenfreiheit: "in der Tat"(!) schaffen wir uns ja gedanklich etwas anderes oder etwas zusätzliches zu dem, was in einer gegenwärtigen Situation alles so da ist. Und weil wir uns vorstellen können, was uns beliebt, können wir ab dieser Zeit und nicht nur Beliebiges vorstellen; wir können uns "in der Vorstellung" oder "im Geist" oder "im Kopf" ganze Vorstellungswelten "schaffen" - Grundlage unserer gesamten Kreativität, Phantasie und Kultur...
Ab diesem Alter stellt sich dann immer die Frage: hat jemand impulsiv reagiert, u.d.h. immer: unüberlegt, gedankenlos, hirnlos, spontan oder wie die hier gebräuchlichen Begriffe alle heißen, oder hat er sich "erst" überlegt, was er tun könnte und dann entschieden, was er tun wolle.
Der (freie)Wille
Wollen drückt also aus, dass jemand sich nach mehr oder (meist) weniger reiflichem Überlegen und Nachdenken zu etwas (von ihm selbst) "Bestimmten" entschieden und sich darauf festgelegt hat, dies auch in seinem weiteren Tun solange zu berücksichtigen, d.h. daran festzuhalten, d.h. "im weiteren" (in oder bei seinem weiteren Tun) solange zu denken oder es zu berücksichtigen, bis er sich "eines anderen besinnt" und sich für etwas anderes entschieden hat.
Die Umgangssprache ist hier höchst differenziert und nuanciert; kein Wunder: machen wir ja das immer wieder, was damit gemeint ist, sobald und solange wir als sich ihrer selbst bewusste Menschen, die überlegt handeln statt impulsiv nur zu reagieren:
auf etwas wie einen Reiz oder einen inneren Impuls hin zu reagieren, sich also wie jedes andere Lebewesen bloß zu "verhalten".